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15. Jahrgang (2012) - Ausgabe 5 (Mai) - ISSN 1619-2389
Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Krisennavigator
Mit freundlicher Unterstützung
der Deutschen Gesellschaft für
Krisenmanagement (DGfKM) e.V.

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Kreditinstitute und Unternehmensrestrukturierung

von KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft AG -
FAS Corporate Restructuring (Hrsg.)

Problemstellung

Vor dem Hintergrund des anhaltend hohen Niveaus an Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist die Krisenfrüherkennung und Krisenbewältigung nicht nur für das Management der Unternehmen von Bedeutung. In den meisten Fällen sind auch die Kreditinstitute - als größte Unternehmensgläubiger - involviert. Diese haben - wegen des möglichen Wertberichtigungsbedarfs ihrer Engagements - Interesse an einer frühzeitigen Krisenerkennung sowie an klaren Aussagen zu den bestehenden Handlungsoptionen und an einer professionellen Krisenbewältigung.

Banken ist die umfassende Abschätzung bestehender Risiken aufgrund unvollständiger Informationen allerdings nur eingeschränkt möglich. Aus diesem Grund werden kritische Engagements oftmals verspätet an spezialisierte Bereiche ("Work out") übergeben. Diesen bleibt dann häufig nur noch die Abwicklung der betreffenden Engagements.

Für Kreditinstitute stellt die Begleitung von Unternehmensrestrukturierungen eine Investitionsentscheidung dar. Einerseits sollen einmal gegebene Kredite im Unternehmen belassen oder ein Teilverzicht erklärt werden. Andererseits bedarf es zur Durchführung der Restrukturierungsmaßnahmen im Regelfall zusätzlicher Finanzierungen. Entscheidungsgrundlage bilden dabei die Restrukturierungskonzepte. Da die Krisenursachen nicht selten auf Managementschwächen zurückzuführen sind, verlangen die Banken häufig eine unabhängige Expertise zur Fundierung ihrer Investitionsentscheidung.

Dem Informationsbedarf der Banken und der Komplexität von Restrukturierungen kann durch den Einsatz spezialisierter Berater und interdisziplinärer Teams Rechnung getragen werden. Durch die kritische Analyse der Sanierungsstrategien und durch den bereichsübergreifenden Ansatz von neutralen Beratern erhält nicht zuletzt die Unternehmensführung ein Feedback zu den Erfolgsaussichten der Restrukturierung. Diese werden anschließend im Rahmen einer begleitenden Umsetzung verwirklicht.

Untersuchungsdesign

KPMG - FAS Corporate Restructuring hat eine Umfrage zum Thema "Krisenprophylaxe und Work out" unter 750 Niederlassungen deutscher Kreditinstitute durchgeführt. Diese wurden befragt hinsichtlich ihrer...

  • allgemeinen Einschätzung von Unternehmenskrisen,
  • angewandten Methoden zur Identifizierung von Risikoengagements,
  • speziellen Erfahrungen und Problemen mit Risikoengagements,
  • spezifischen Abläufe bei der Bewältigung von Risikoengagements,
  • Erfahrungen mit dem Einsatz externer Berater bei Unternehmensrestrukturierungen sowie
  • Erwartungen an die Insolvenzordnung im Zusammenhang mit Unternehmensrestrukturierungen.

Die Auswahl der Kreditinstitute erfolgte auf der Grundlage einer KPMG-internen Marktanalyse. Den Banken wurden standardisierte Fragebögen übersandt. Die Rücklaufquote betrug 20 Prozent.

Zum Zeitpunkt der Übergabe kritischer Engagements an den Work out-Bereich erfolgt eine Wertberichtigung um durchschnittlich 40 Prozent - anders formuliert: 60 Prozent des Engagements werden als "noch realisierbar" angesehen. Diese Einschätzung deckt das im Engagement enthaltene Risiko nicht hinreichend ab. Damit zeigen sich zwei Probleme: Zum einen wird das Ausfallrisiko notleidender Kreditengagements zu niedrig eingeschätzt. Zum anderen deutet die angegebene Recovery-Rate von 50 Prozent der Engagements auf eine geringe Effizienz der von den Instituten verfolgten Restrukturierungsstrategien hin.

Ein Kreditengagement wird in der Regel erst bei Vorliegen von deutlichen Zahlungsschwierigkeiten sowie anhaltender Verlustsituation als Risikoengagement klassifiziert. Strategische Krisenindikatoren werden weitgehend vernachlässigt. Eine frühzeitige Intervention durch den Bereich "Work out" ist aufgrund der sehr späten Hinzuziehung kaum möglich.

Als Krisenursachen werden vor allem Managementschwächen und mangelhafte finanzielle Ausstattung identifiziert. Strategische Ursachen - wie verfehlte Diversifikation, zunehmende Wettbewerbsintensität, fortwährende Underperformance im Branchenvergleich, überalterte Technologien oder unangemessene Kostenstrukturen - werden kaum genannt, obwohl diese als eigentliche Krisentreiber die finanziellen Engpässe meistens erst hervorrufen. Gleiches gilt für mögliche wirtschaftskriminelle Handlungen, die trotz der aus Presseberichten bekannten Skandale vergangener Jahre (z.B. Schneider, Procedo/Balsam, Barings Bank, Daiwa Securities, Maxwell Group, Flowtex) als Krisenauslöser weitgehend vernachlässigt werden. Die Bank erkennt folglich im Rahmen der "gewöhnlichen" Kreditbetreuung in erster Linie die Krisensymptome. Dafür sprechen auch die zur Risikoanalyse eingesetzten quantitativen Frühwarnsysteme.

Möglichkeiten zur Krisenvermeidung sehen die Institute vor allem in zuverlässigen Unternehmensplanungen, der Stärkung des Management-Know-hows sowie der Einrichtung eines internen Kontrollsystems.

Kreditinstitute bevorzugen Restrukturierungsmaßnahmen, die auf zügige Cash-Generierung und Kostensenkung ausgerichtet sind und damit kurzfristigen Charakter haben. Grundlegende strategische und organisatorische Veränderungen zur Sicherstellung nachhaltiger Sanierungserfolge werden eher nachrangig genannt.

Die Restrukturierungsbemühungen werden im wesentlichen durch Aussetzung der Tilgung, Zinsstundung und Bereitstellung von "fresh money" begleitet. Daneben unterstützen Banken bei der Auswahl geeigneter Sanierungsberater, bei Verhandlungen mit anderen Gläubigern sowie der Verwertung von Vermögensgegenständen. Die Übernahme einer Beteiligung an Krisenunternehmen wird weitgehend abgelehnt.

Die von Krisenunternehmen zur Verfügung gestellten Daten und Informationen sind als Entscheidungsgrundlage in den meisten Fällen nicht ausreichend. 84 Prozent der befragten Kreditinstitute stufen die Unterlagen als unvollständig und unplausibel ein. Dieses ist gleichzeitig einer der wesentlichen Gründe für die Hinzuziehung externer Berater.

Von einem Restrukturierungsberater erwarten Kreditinstitute in erster Linie spezielle Restrukturierungserfahrung, finanzanalytisches Know-how und Branchenkenntnisse. Teamfähigkeit in der Zusammenarbeit mit dem Management sowie interdisziplinäre Teams der Bereiche "Wirtschaft", "Steuern" und "Recht" sind weitere Auswahlkriterien. Die Umsetzungsbegleitung und Kontrolle des Restrukturierungsprozesses wurden nur von einzelnen Kreditinstituten als Auswahlkriterien genannt.

Die Auswirkung der Insolvenzordnung auf Unternehmensrestrukturierungen wurde von rund 36 Prozent der Banken positiv bewertet. Insbesondere der Möglichkeit zur Erstellung von Sanierungsplänen und damit der Fortführung und Sanierung des Unternehmens aus der Insolvenz heraus wird von den Instituten Bedeutung beigemessen.

Bezug

Die Langfassung der Studie "Kreditinstitute und Unternehmensrestrukturierung" - mit einer ausführlichen Dokumentation der Umfrageergebnisse - wird auf Wunsch kostenlos zugeschickt.

Ansprechpartner

KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft AG
FAS Corporate Restructuring
Michaelis-Quartier
Ludwig-Erhard-Straße 11-17
D-20459 Hamburg
Telefon: +49 (0)40 320 15 - 52 38
Telefax: +49 (0)40 320 15 - 52 07
Internet: www.kpmg.de
E-Mail: adettmann(at)kpmg.com

 

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
3. Jahrgang (2000), Ausgabe 11 (November)


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